Reisefilm


Kolumbus hatte auf seiner zweiten Reise in die neue Welt Jamaika entdeckt und nannte die halbmond­förmig geschwungene Bucht – Golfo de buen tiempo – Bucht des guten Wetters. Mag sein, dass das einer der Gründe für den enormen Touris­tenboom dieser Region ist. Aber Jamaika hat viel mehr zu bieten, als schöne Hotels und weiße Strände. Das Greenwood House ist heute ein Museum, das daran erinnert, dass hier einst über 2.000 Sklaven auf der Zucker­plantage der Familie Barrett schuften mussten. 1760 waren sie die größten Grundbe­sitzer ihrer Zeit. In einem anderen, noch berühmteren Haus: dem „Golden Eye“ lebte seit Mitte der 1940er Jahre James Bond-Erfinder Ian Fleming – selbst einmal beim Geheim­dienst - während der Winter­monate. Der erste Bond-Film „Dr. No“ wurde hier und an anderen Schauplätzen Jamaikas gedreht. Wer den Film kennt und die Augen offen hält, wird sie hier und da entdecken, zum Beispiel am Dunn’s River Wasserfall, am Flughafen der Hauptstadt Kingston Town und nahe Ocho Rios. Und dann gibt es in Kingston noch die Platten­studios des legendären Bob Marley, der den Reggae in die Welt hinaus getragen hat. Auch nach seinem Tod 1981 fördert sein Studio weiter junge Talente aus Jamaika. Wer Land und Leute kennen­lernen möchte, besucht eines der vielen Jerk-Food-Restaurants. Und wieder begegnet uns eine Tradition, die auf die Sklavenzeit zurückgeht: Die „entlaufenen“ Sklaven nutzten nämlich Erdlöcher zum Garen ihres Essens, damit niemand von Ferne das Feuer sehen konnte und sie unentdeckt blieben. Heute grillt man unter einer Abdeckung aus Blech. Nach dem Essen geht es weiter entlang ausgedehnter Zucker­rohr­felder zu einer Rumfabrik. Der Löwenanteil der Zucker­roh­rernte dient auf Jamaika der Rumpro­duktion. Einige Sorten sind mit hochwertigem Cognac vergleichbar, also echte Genuss­mittel. Das Mindestalter für edle Tropfen ist 21 Jahre. Manche sind sogar mit 30 Jahre altem Rum verschnitten. Während es hochwertigen Rum auf Jamaika praktisch in jeder Bar gibt, finden nur ganz wenige der Besten den Weg über ’s Meer zu uns.